Douma, Winter 2018: Ein Junge hält ein Fladenbrot vor sein Gesicht – ein bisschen Brot ist gleich ein kleines bisschen Glück.
Mesraba Souk, Sommer 2017: Kurze Zeit, nachdem das Photo entstanden ist, wurde der Souk anfang 2018 vollständig zerstört.
Ain Tarma, Ost-Ghouta, Herbst 2016: Seitdem Abu Mahrus sinen Weizenvorrat während der Belagerung von Ghouta durch das Regime verloren hat, macht er Brot aus Gerstenmehl.
Douma, Al-Kuwatli Straße, Sommer 2017: Um seine Familie zu ernähren, verkauft Hussam Mais.
Douma, die Große Moschee: Abu Mahjub verkauft Fruchtsaft aus getrockneten Früchten, die er vor der Belagerung von Ghouta eingelagert hatte.
Frontlinie Autobahn Homs-Damaskus, Ramadan 2017: Abu Mohammad ist ein Kämpfer der Freien Syrischen Armee. Dort wo er sitzt, verläuft die Grenzlinie zu den Einheiten des syrischen Regimes.
Frontlinie Autobahn Homs-Damaskus, Ramadan 2017: Eine Mahlzeit für vier Kämpfer der FSA.
Frontlinie Autobahn Homs-Damaskus, Ramadan 2017: Eine Mahlzeit für vier Kämpfer der FSA.
Douma, Al-Jelaa Straße, Sommer 2015: Der Teeverkäufer Abu Kasim kurz bevor er in einem Streubombenangriff, der seinen Laden zerstörte, ums Leben kam.
Douma, Al-Kuwatli Straße, Winter 2016: Während Streu-und Vakuumbomben auf die Stadt niedergehen, sitzt Abu Mahmud auf der Straße und macht Tee. Sein Sohn wurde Anfang 2018 während des letzten Angriffs auf Douma getötet, in dem seine gesamte Familie schwere Verbrennung durch Napalmbomben erlitt.

Doha Hassan - Videofilmer

Die Teile von Aleppo die ich 2013 besuchte, ähnelten, wie viele andere Gebiete die zur Frontlinie in dem Kampf zwischen dem Regime und den oppositionellen „Befreiungskräften“ geworden waren, nach außen gestülpten, zerfetzten Eingeweiden. Schlafzimmer, Wohnzimmer, Badezimmer, Wasser-und Stromnetzwerke, Kleidungsstücke und Kinderspielzeug, Bücher und zerfleddertes Papier. Es war alles da, alles sichtbar, ohne überhaupt einen Fuß in die Häuser setzen zu müssen. Wenn du von einer in die andere Straße liefst, kamst du dir vor wie ein Eindringling in den Leben, den Geschichten und der Privatsphäre der Menschen, die dort lebten. Du gingst einfach durch ihre Zimmer, all ihre Habseligkeiten lagen versträut unter Trümmern von Explosionen und Bombenüberresten umher. Dabei begleitete dich das ständige ferne Schießen von Scharfschützen, dessen Echo von der anderen Seite der Stadt durch die Straßen hallte. Diese Erfahrungen ähnelten sich überall in Syrien, und sie werden geteilt von allen Syrer*Innen, ob sie sich noch im Land aufhalten, oder im Exil. Raqqa hat wiederum eine etwas andere Geschichte. Nachdem die Regierungskräfte aus der Stadt vertrieben worden waren, kam es in der Provinz 2013 zu einer Gegenrevolution. All das, was die Stadt in den Folgejahren durchleben würde, konnte man man schon damals von den Graffitis ablesen, die die Auseinandersetzungen zwischen zivilen Rebellengruppen und bewaffneten Milizen abbildeten. Der Widerstreit der syrischen Unabhängigkeitsflagge der Revolution, die neben dem schwarzen Banner des Dschihad thronte, oder Revolutionsparolen, die mit den Namen militanter Gruppen wie „al-Nusra“ oder „Ahrar al-Scham“ wetteiferten. So sah das Leben aus in der „befreiten“ Stadt Raqqa. Ahmad, einer der Demonstrant*Innen dort, erzählte uns, wie am am 4. März 2013 eine Gruppe maskierter, schwer bewaffneter Männer die Stadt stürmte und religiöse Parolen, wie den „takbir,“ grölten: 'Unser ewiger Führer ist unser Herr, Mohammad.' „Am Anfang waren wir aufgeregt und glücklich zu sehen, wie das Militär und Sicherheitskräfte aus der Stadt gejagt wurden, doch dieses Hochgefühl verschwand sehr schnell wieder, sobald wir merkten, dass die Unabhängigkeitsflagge der Revolution nirgends unter den „Befreiern“ zu finden war. Als Protest marschierten wir zu dem Dallah-Kreisel und riefen: 'Wir sind nicht Sunna, wir sind nicht Alawi, wir sind das vereinte syrische Volk.' Wir hatten noch nicht begriffen, dass die, die gekommen waren um unsere Stadt zu befreien, sie am Ende selbst besetzen und unterdrücken würden.“

Doha - Videofilmer

Mohamad Blakah - Videofilmer

"Es ist Anfang Dezember 2012, ein Jahr nachdem ich meine Heimatstadt Damaskus in Syrien verlassen hatte, ein Jahr, in dem ich im Exil ausharrte. Einst friedlich, war die Revolution von dem Regime gewaltsam in bewaffnete Auseinandersetzungen hinein gezogen worden. Sobald die Gewalt die Oberhand gewann, stieg und stieg die Zahl der Opfer und Inhaftierten. All das beobachtete ich hilflos von außerhalb der Grenzen meines Landes. Ein verfluchtes Land. Ich beschloss, in die Region um Idlib und Aleppo in Nordsyrien zu gehen, wo die Freie Syrische Armee die Regierungskräfte vertrieben, und die Kontrolle übernommen hatte. Ich hoffte, meine Rolle in der Revolution wieder finden zu können, auch jetzt, wo sie so gewaltsam geworden war. Doch anders als zu Beginn der Revolution waren wir uns nicht mehr einig, unsere Stimmen und Forderungen nicht mehr im Einklang. Nach nur kurzer Zeit war es mir unmöglich, weiter zu machen. Der Frieden, nach dem wir suchten, war schon lange unter den Trümmern neben unseren Gefallenen begraben worden und die Würde, auf die wir so stolz gewesen waren, wurde schon bald mit der Erniedrigung von Hunger und Belagerung ersetzt. Um zu dokumentiere, was um uns herum geschah, filmte ich in dieser Zeit in Nordsyrien zahlreiche RebellInnen. Vielleicht filmte ich sie auch um mich zu erinnern, denn nichts von dem, was geschah, geschah ohne dass es vollkommen offenkundig für alle gewesen wäre. Oder vielleicht filmte ich sie einfach nur, weil die meisten von ihnen getötet und selbst MärtyrerInnen wurden."

Mohamad Blakah - Videofilmer